Ich mache mir Sorgen um jemanden im privaten Umfeld

Schön, dass dir aufgefallen ist, dass es jemand anderem schlecht geht. Mit einem Gespräch kannst du wesentlich dazu beitragen, dass es deinem Gegenüber besser geht. Diese Gesprächstipps helfen dir dabei.

Hast du beobachtet, dass deine Partnerin, ein Freund oder Familienmitglied sich über mehrere Wochen oder Monate

  • zurückzieht und nicht mehr meldet
  • häufig unkonzentriert ist oder gereizt reagiert
  • tagsüber im Bett bleibt oder nachts nicht schlafen kann
  • irgendwie verändert oder traurig wirkt?

Psychische Belastungen kommen oft schleichend. Manchmal hören Gefühle wie Angst, Wut oder Traurigkeit nicht mehr auf und werden immer bedrückender. Sie bestimmen den Alltag immer mehr. Dann ist es Zeit, etwas zu unternehmen.

Reden hilft

Über Ängste und negative Gefühle zu reden ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn du deine Beobachtungen ansprichst, hilfst du, dass aus der Sorgenlast oder Krise keine psychische Erkrankung entsteht.

Gespräche entlasten und geben Kraft

Gespräche allein lösen keine Probleme in Luft auf. Erwarte nicht, dass sich nach eurem Gespräch gleich alles verändert. Aber: Ein Gegenüber zu haben, das zuhört, sich interessiert und mitfühlt, entlastet und tut gut.

Du brauchst die Probleme nicht lösen

Die Angst davor, die angesprochenen Probleme lösen zu müssen, hält viele von einem Gespräch ab. Aber: Es käme dir ja auch nie in den Sinn, einen entzündeten Blinddarm zu entfernen. Genauso wenig wird erwartet, dass du eine Depression heilen kannst. Dein offenes Ohr und dein Interesse sind die Hilfe.

«In meinem Gefühlschaos hat mir am meisten geholfen, mit ihm über ganz normale Sachen zu reden.»

Matt und Tim (in englischer Sprache, www.time-to-change.org.uk)

Gespräch herbeiführen

Beachte deine eigene Stimmung

Such das Gespräch dann, wenn du dich gut fühlst und es dir zutraust.

Überleg dir einen geeigneten Zeitpunkt

Gespräche mit Tiefgang nehmen Zeit in Anspruch. Beginn also kein Gespräch, wenn Du oder dein Gegenüber nach 10 Minuten wieder los müssen. Manchmal hilft es zu fragen, wann die Person Zeit für ein Gespräch hat.

Ich möchte gerne in Ruhe mit dir reden. Wann hättest du mal Zeit?

Finde einen geeigneten Ort

Ihr solltet ungestört sein und euch beide wohlfühlen. Vielen Menschen fällt es im Gehen leichter, über schwierige Dinge zu sprechen. Allenfalls könnte ein Waldspaziergang eine gute Gelegenheit sein.

Ich brauche wieder mal etwas frisch Luft in der Natur. Begleitest du mich beim auf einem Spaziergang?

Es ist OK, wenn es nicht klappt

Es ist möglich, dass dein Gegenüber nicht auf dein Gesprächsangebot einsteigt. Nimm es nicht persönlich. Vielleicht fühlt sich die andere Person momentan nicht in Stimmung oder vielleicht muss sie erst Mut fassen. Versuch es später wieder.

Ok, das verstehe ich. Würde es dir ein anderes Mal besser passen?

Übrigens: Du kannst dich auch beraten lassen, wie du am besten vorgehen sollst. Du findest am Ende der Seite geeignete Adressen und Angebote.

Das ist wichtig im Gespräch

So kannst du anfangen:

Ich mache mir Sorgen um dich, du wirkst in letzter Zeit etwas bedrückt.

Es beschäftigt mich, dass du nicht mehr an unsere Treffen kommst. Geht es dir nicht so gut?

Ich habe gehört, dass dein Mann krank ist. Ich stelle mir das sehr belastend vor. Wie geht es dir dabei?

Zuhören ist das Wichtigste

Viele Menschen haben Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Sie unterschätzen dabei, wie gut es tut, wenn jemand einfach mal zuhört und Anteil nimmt. Geh mit der Einstellung ins Gespräch, dass du nachempfinden möchtest, was die andere Person fühlt. Überlege dir gute Fragen statt nach Antworten zu suchen.

Kannst Du sagen, was Dir im Moment gut tut?

Wie fühlt es sich an, wenn du in der Situation bist?

Was müsste sich ändern, damit du dich besser fühlst?

Mitgefühl zeigen

Es tut gut, wenn man sich verstanden fühlt. So kannst du dein Mitgefühl ausdrücken:

Ich kann nachvollziehen, dass dich das belastet.

Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht.

Schweigen aushalten

Im Gespräch über schwierige Situationen fehlen manchmal allen die Worte. Lass Pausen und Schweigen zu. Manchmal hilft auch die Aussage

Ich weiss jetzt auch grad nicht, was sagen

um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

Eigene Grenzen ernst nehmen

Wenn du den Eindruck hast, dein Gegenüber brauche mehr Unterstützung, kannst du sagen:

Ich weiss da jetzt auch nicht weiter.

Da fühle ich mich ratlos.

Hast Du Dir schon einmal überlegt, mit einer Fachperson zu sprechen?

Du findest passende Adressen am Ende dieser Seite. Das ist aber nicht immer nötig.

Weitere Hilfe nur anbieten, wenn du magst

Deine Aufmerksamkeit und Bereitschaft zuzuhören sind eine grosse Hilfe für dein Gegenüber. Es ist nicht schlimm, wenn es dabei bleibt. Wenn dir danach ist, kannst du praktische Hilfe anbieten, z.B. im Haushalt oder in der Kinderbetreuung. Oder du belässt es beim Zuhören:

Du kannst gerne wieder mit mir darüber sprechen, wenn Du magst.

Das solltest du vermeiden

Keine Schuldzuweisungen

Aussagen wie: «Du musst dich einfach etwas zusammenreissen» oder «Du siehst alles immer viel zu schwarz» sind nicht hilfreich. Gerade psychische Erkrankungen sind nie eine Frage des Willens.

Keine Ratschläge und Tipps

Wir tendieren dazu, immer Lösungen anbieten zu wollen. Aussagen wie: «Geh doch etwas mehr unter die Leute» führen dazu, dass die Betroffenen sich unter Druck fühlen oder das Gefühl haben, man habe ihnen nicht richtig zuhört. Höre gut zu. Falls dein Gegenüber konkret fragt, was du raten würdest, kannst du auf die Impulse verweisen, von denen du findest, sie passen.

Nicht von eigenen Problemen sprechen

In der guten Absicht, Verständnis und Mitgefühl auszudrücken, sprechen wir manchmal von eigenen Problemen. Dein Gegenüber fühlt sich dadurch leicht nicht ernst genommen. Hast du selbst eine ganz ähnliche Situation erlebt, teile deine Erfahrungen.

Keine Diagnosen stellen

Selbst wenn du vermutest, dein Gegenüber leide an einer spezifischen Krankheit: Überlass die Diagnosestellung einer Fachperson! Dein Gegenüber fühlt sich sonst abgestempelt.

Keine Verniedlichungen

Sag nicht: «Das kommt sicher bald wieder gut» oder «Das geht vorbei». Durch solche Aussagen fühlen sich Betroffene nicht ernst genommen.

Dränge dein Gegenüber nicht

Gehe mit der Haltung ins Gespräch, dass du nicht mehr erfahren willst, als dein Gegenüber bereit ist zu erzählen. Respektiere, wenn die andere Person das Gespräch abbricht. Du kannst es später wieder versuchen.

Gespräch beenden

Manchmal wird einem im Gespräch alles zu viel. Diese Sätze helfen dir, einen guten Gesprächsabschluss zu finden.

Ich glaube, im Moment kommen wir nicht mehr weiter. Ist es für Dich ok, wenn wir über etwas anderes sprechen?

Mich macht Deine Situation sehr traurig. Ich wäre froh, etwas frische Luft zu schnappen und erst später wieder darüber zu sprechen.

Jetzt weiss ich nicht mehr, was sagen. Gehen wir noch ein paar Schritte zusammen? Wir können gerne ein anderes Mal weiter darüber sprechen.

Nach dem Gespräch

Erfahrenes vertraulich behandeln

Behalte private Dinge aus dem Gespräch für dich. Wenn du das Bedürfnis hast, mit jemandem darüber zu sprechen, dann sag nicht, um wen es geht. Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass Handeln von aussen nötig ist, zum Beispiel bei Suizidgedanken, dann wende dich an die Dargebotene Hand, Telefon 143. Die Dargebotene Hand berät auch Personen im Umfeld von Menschen in Krisen.

Gib auf dich selbst acht

Es hilft niemandem, wenn du selbst krank wirst. Nimm dir Zeit für deine eigenen Bedürfnisse und Interessen. Die folgenden Impulse unterstützen dich dabei.