Herren im Gespräch

Gesprächstipps für Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen

Falls Ihnen das Sprechen über Ihre psychischen Probleme oder Erkrankung schwer fällt: Sie sind damit nicht alleine. Viele Menschen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen haben Angst oder schämen sich, über ihre Gefühle und Situation zu sprechen. Gespräche können aber eine grosse Entlastung und einer erster Schritt zur Lösung oder Genesung sein. Informationen dazu finden Sie auch unter Warum darüber reden wichtig ist.

Vor dem Gespräch: Wählen Sie einen guten Rahmen

  • Es muss nicht immer als erstes ein persönliches Gespräch sein. Wenn Sie bis anhin noch nie mit jemandem über Ihre Probleme und Gefühle sprachen, haben Sie möglicherweise Angst davor, wie das Gegenüber reagieren könnte. Sie können auch einen „sanfteren“ Einstieg wählen, indem Sie etwa in einem anonymen Chat oder in einer Telefonberatung von sich erzählen. Beispielsweise Pro Mente Sana und die Dargebotene Hand unterhalten solche Angebote, siehe Adressen.

  • Suchen Sie eine Vertrauensperson. Wenden Sie sich an jemanden, dem Sie vertrauen und dem Sie zutrauen, mit dem Gehörten umgehen zu können. Es müssen nicht immer die Personen im nächsten Umfeld sein, manchmal fällt es leichter, mit jemandem zu sprechen, der etwas Abstand hat.

  • Suchen Sie einen geeigneten Zeitpunkt. Gespräche über persönliches Leid nehmen einige Zeit in Anspruch. Beginnen Sie also nie ein Gespräch, wenn Sie oder Ihr Gegenüber nach 10 Minuten wieder los müssen. Manchmal hilft es zu fragen, wann die Person Zeit für ein Gespräch hat.

  • Suchen Sie einen geeigneten Ort. Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind und sich beide Gesprächspartner wohl fühlen. Vielen Menschen fällt es im Gehen leichter, über schwierige Dinge zu sprechen. Allenfalls könnte ein Waldspaziergang eine gute Gelegenheit sein.

  • Sie können sich beraten lassen. Wenn Sie unsicher sind, können Sie sich auch beraten lassen, wie Sie ein Gespräch führen könnten. Pro Mente Sana und die Dargebotene Hand beraten Sie auch in solchen Fragen, siehe Adressen.

Mit diesem Wissen fällt ein Gespräch leichter 

  • Das Schweigen zu brechen entlastet. Nebst der eigentlichen Krankheit leiden die meisten Betroffenen auch sehr unter der Einsamkeit und Isolation, die entsteht, weil sie Angst haben, sich mitzuteilen, aus Angst, abgelehnt zu werden. Das Gespräch zu suchen und die Isolation zu durchbrechen wird in aller Regel als grosse Erleichterung empfunden.

  • Schuld und Schamgefühle sind unnötig. Viele Betroffene geben sich selbst die Schuld an ihrer Erkrankung oder fürchten, als Versagerin oder Simulant angesehen zu werden. Andere wiederum denken, der oder die Gesprächspartner/in könnte sich schuldig fühlen. Psychische Erkrankungen sind nie selbstverschuldet und es trägt auch niemals eine andere Person Schuld an einer Erkrankung. Es spielen immer viele Faktoren mit bei der Entstehung psychischer Krankheiten.

  • Es ist gut möglich, dass Ihr Umfeld aus Unsicherheit schweigt. Viele psychisch Erkrankte leiden darunter, dass niemand in ihrem Umfeld sie auf veränderte Stimmungen oder psychische Probleme anspricht. Dahinter steht aber meistens nicht mangelndes Interesse oder Gleichgültigkeit. Viele Menschen haben Angst, sie könnten Ihnen zu nahe treten oder Sie verletzen, wenn sie Sie auf mögliche Probleme ansprechen. Oder sie wissen einfach nicht, wie sie das Gespräch beginnen sollen.

  • Auch für Ihr Umfeld wird es einfacher, wenn Sie das Gespräch suchen. Wenn Sie über Ihre Gefühle sprechen und versuchen zu benennen, was Ihnen helfen könnte, geben Sie Ihrem Umfeld eine Handlungsmöglichkeit. Viele Menschen im Umfeld von psychisch Erkrankten würden gerne helfen, wissen aber nicht wie.

  • Es ist OK, wenn es nicht klappt: Es ist möglich, dass Ihr Gegenüber nicht auf Ihr Gesprächsangebot einsteigt. Auch wenn es nicht einfach ist: Nehmen Sie die Abweisung nicht persönlich. Vielleicht ist die Person gerade mit etwas anderem beschäftigt oder fühlt sich überfordert. Fragen Sie, wann ein guter Moment wäre oder wenden Sie sich an eine andere Person.

Ins Gespräch einsteigen: So kann es klappen.

Diese Sätze könnten als Eisbrecher dienen:

  • „In letzter Zeit fühle ich mich nicht so gut“. 
  • „Mir geht es nicht besonders. Kann ich mal mit dir darüber reden?“
  • „Ich habe im Moment einige Probleme und es täte mir gut, wenn mir jemand zuhören würde.“

Im Gespräch: Das ist wichtig.

  • Versuchen Sie, verständlich zu machen, wie es Ihnen geht. Ihr Gegenüber kann Ihre Gedanken nicht lesen und Ihre Gefühle nicht spüren. Je mehr Sie von sich erzählen, umso leichter fällt es Ihrem Gegenüber Verständnis zu entwickeln. Verstanden zu werden entlastet.

  • Schweigen aushalten. Im Gespräch über schwierige Situationen fehlen manchmal allen die Worte. Lassen Sie Pausen und Schweigen zu. Manchmal hilft auch die Aussage „Ich weiss jetzt auch grad nicht, was sagen“, um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.

  • Eigene Grenzen ernst nehmen. Wenn Sie spüren, dass Ihnen alles zu viel wird, können Sie das Gespräch jederzeit abbrechen. Sie können sagen: „Ich merke, dass mir gerade alles zu viel wird. Ich würde lieber ein anderes Mal darüber sprechen.“

  • Ärgern Sie sich nicht über unbrauchbare Lösungsvorschläge. In der guten Absicht Ihnen helfen zu wollen, macht Ihnen Ihr Gegenüber vielleicht viele Lösungsvorschläge, die Ihnen im Moment gar nicht weiterhelfen. Versuchen Sie, die gute Absicht hinter den Ratschlägen zu sehen. Sie können sagen: „Du musst mir keine Lösungsvorschläge machen, es hilft nur schon, dass du mir zuhörst.“ Oder: „Ich überlege mir, was du gesagt hast und komme darauf zurück, wenn ich das Gefühl habe, es könnte mir helfen.“

  • Rückmeldungen geben. Sie können davon ausgehen, dass Ihr Gegenüber unsicher ist, ob er oder sie sich im Gespräch richtig verhält. Sagen Sie es, wenn Sie sich wohlfühlen, das erleichtert das Gespräch. Sie können zum Beispiel sagen: „Es tut mir sehr gut, dass du mir zuhörst.“

  • Wenn möglich: Praktische Hilfe erbitten: Nicht immer spürt man im Moment einer Krise, was einem gut tut und wie einem andere Personen entlasten könnten. Denken Sie daran, dass auch Unterstützung in Haushalt oder Kinderbetreuung eine Erleichterung bringen kann. Wenn Sie wissen, was Ihnen helfen könnte, dann teilen Sie dies dem Gegenüber mit: Zu wissen, wie man Sie unterstützen kann, ist hilfreich.

  • Die Grenzen des Gegenübers akzeptieren. Im Idealfall treffen Sie bei Ihrem Gegenüber auf ein offenes und verständnisvolles Ohr. Es kann aber auch sein, dass die andere Person überfordert ist. Respektieren Sie dies. Vielleicht ist dies auch der Moment, sich an Fachpersonen zu wenden. Adressen finden Sie hier.

  • Gespräche alleine helfen selten. Mit den Menschen in Ihrem Umfeld zu sprechen ist sicher entlastend und wichtig. Die Behandlung psychischer Erkrankungen gehört aber in die Hände von Fachpersonen. Je früher Sie sich behandeln lassen, desto rascher genesen Sie wieder. Informationen zur Behandlung finden Sie hier.

Besondere Situation: Am Arbeitsplatz

Sie sind nicht verpflichtet, Ihrem Arbeitgebenden mitzuteilen, dass Sie wegen einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben wurden. Je nach Vertrauensverhältnis und Anstellungsbedingungen ist es auch sinnvoller, den Grund für Ihre Krankschreibung nicht, oder erst später mitzuteilen. Häufig ahnen Ihre Vorgesetzten und Mitarbeitenden jedoch, worum es geht. Es kann daher manchmal hilfreich sein, sich kurz und ohne Details dazu zu äussern. Zum Beispiel: „Wie Ihr gemerkt habt, geht es mir gesundheitlich nicht gut. Ich bin in Behandlung und hoffe, bald wieder gesund zu werden.“

Bei länger andauernden Abwesenheiten oder wenn das Leiden die Arbeitsleistung zusehends beeinträchtigt, kommen auch arbeits- und versicherungsrechtliche Fragen ins Spiel. Besprechen Sie mit Ihrem Therapeuten / Ihrer Ärztin, wie Sie am besten vorgehen. Diese kennt die Problematik gut. Auch Pro Mente Sana kann Sie in diesen Fragen kompetent beraten, siehe Adressen.

Quelle: Diese Gesprächstipps wurden von Beraterinnen und Beratern von Pro Mente Sana, der Dargebotenen Hand und dem Beobachter sowie weiteren Fachleuten zusammengestellt.

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