Zwei Arbeitskollegen unterhalten sich

Was Sie für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz tun können

Es gibt mehrere Faktoren, die darüber entscheiden, wie gut das Arbeitsumfeld für unsere psychische Gesundheit ist. Viele davon können wir beeinflussen. Für uns selbst, aber auch für unsere Arbeitskolleginnen und -kollegen. Ein Überblick in Kürze.

Der Diskriminierung keine Chance geben.

Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sind leider immer noch häufig. Psychische Belastungen werden in unserer Gesellschaft generell tabuisiert. Wie redet man in Ihrem Betrieb über das Burnout des Buchhalters? Werden Sprüche toleriert? Wurde für Entlastung gesorgt? Spricht Ihre Vorgesetzte über ihre eigenen Belastungen, etwa über den Umgang mit Termindruck? Je nachdem, wie offen und wertfrei die Vorgesetzten in Ihrem Unternehmen über psychische Erkrankungen und Belastungen sprechen, werden auch Sie sich getrauen, dies zu tun – oder eben gerade nicht.

Eine Frage der Betriebskultur.

Vertrauen, Ehrlichkeit, Toleranz und Fairness: Wenn diese vier Dinge nicht nur Lippenbekenntnisse sind, sondern in Ihrem Betrieb tatsächlich gelebt werden, dann können Sie Ihre Aufgaben in einem Klima der Sicherheit angehen. Wenn nicht, dann ist es normal, dass Sie sich unsicher fühlen. Das wiederum frisst Energie und ermüdet; Konzentration und Effizienz leiden.
Zu den genannten vier Dingen können Sie selber einen Beitrag leisten; das Gleiche gilt für Freundlichkeit, Respekt und Wertschätzung. Gewöhnen Sie sich beispielsweise an, Dinge, die Ihnen positiv auffallen, anzumerken. Ein aufrichtiges Kompliment schätzen nicht nur Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen, sondern auch Ihre Vorgesetzten.

Die persönliche Arbeitssituation.

Sie kennen bestimmt auch Menschen, die an der einen Stelle dauernd aneckten, an der nächsten aber auf einmal wunderbar zurechtkamen. Passung heisst das Zauberwort. Damit ist gemeint: Wie passe ich als Person, mit meinen Kompetenzen und mit meinen zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu meiner Arbeitsstelle, in mein Team, zu den Vorgesetzten? Die Passung ist ein wichtiger Faktor für die psychische Gesundheit. Wie steht es damit bei Ihnen? Verlangen Sie nicht das Unmögliche von sich; niemand kann sich überall einfügen und anpassen. Hin und wieder ecken wir alle an. Wenn Sie sich schon von Anfang an nie richtig wohl fühlten an Ihrer Stelle und wenn nichts, was Sie zur Verbesserung versucht haben, Erfolg hatte, dann sollten Sie über einen Stellenwechsel nachdenken.

Angemessen herausgefordert und engagiert.

Wir möchten herausgefordert und gefördert werden. Fragen Sie deshalb regelmässig nach Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten. Machen Sie selbst konkrete Vorschläge. Nichts geht? Dann suchen Sie sich eine entsprechende Freizeitaktivität. Es tut unserer Psyche auch gut, wenn wir uns für eine Aufgabe engagieren können. Wenn wir in unserer Arbeit einen Sinn sehen, wenn wir motiviert sind, gehen wir beschwingt zur Sache. Wenn dieses Engagement fehlt, sollten Sie dies ernst nehmen und überlegen, ob Sie nicht mit einer anderen Aufgabe glücklicher würden.

Prioritäten setzen und für Ausgleich sorgen.

Wie lässt sich verhindern, dass sich die Arbeitsmenge kontinuierlich ausdehnt? Prioritäten zu setzen ist wichtig. Vereinbaren Sie mit Ihren Vorgesetzten, was Ihre Pflichten sind und welche Ziele Sie erfüllen müssen, damit Sie Ihre Energie dort einsetzen, wo es auch wirklich wichtig ist. Wenn ein Auftrag dazukommt, fragen Sie nach, was dafür wegfallen kann. Können Sie Nein sagen? Halten Sie es aus, Dinge nicht 100% perfekt zu machen? Wenn nicht, trainieren Sie es. Fangen Sie mit kleinen Schritten an und testen Sie, ob die Reaktionen tatsächlich so negativ ausfallen, wie Sie es befürchtet haben. Sorgen Sie in anderen Lebensbereichen – Freizeitaktivitäten, Familie, Freunde – für Ausgleich. Die altmodische Musse passt nicht so recht in unsere optimierungsfreudige Zeit. Doch regelmässige Auszeiten, die durchaus auch mal Langeweile und Tagträumen beinhalten können, sind für Ihr Hirn und Ihre Psyche Energiespender erster Güte. Das Gleiche gilt für ausreichend Schlaf.

Quellen:
Wenn die Psyche streikt – Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Thomas Ihde-Scholl. Beobachter Edition. Bezug siehe hier.

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