Arbeitsgespräch

Was Sie als Führungskraft tun können.

Es gibt verschiedene Faktoren, die darüber entscheiden, wie gut das Arbeitsumfeld für unsere psychische Gesundheit ist. Als Führungskraft können Sie die meisten davon aktiv beeinflussen.

Der Ratgeber «Wenn die Psyche streikt. Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt» enthält viele Hinweise, was Sie als Führungsperson tun können.

Die wichtigsten Tipps

  • Schaffen Sie in Ihrem Betrieb ein Klima, in dem man über psychische Belastungen reden darf, ohne Angst vor Diskriminierung oder einer Kündigung haben zu müssen. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und erzählen Sie hin und wieder, wie es Ihnen geht.


  • Verschliessen Sie nicht die Augen, wenn Sie merken, dass mit einem Mitarbeiter, einer Mitarbeiterin etwas nicht stimmt. Es ist verständlich, wenn Sie sich gefordert fühlen; dennoch ist es wichtig für alle, inklusive Sie, dass Sie aktiv werden. Wie Sie ein Gespräch führen können, steht auf Seite 8 dieser Broschüre.


  • Wenn Sie das Gespräch mit einer betroffenen Person suchen, schaffen Sie zunächst Vertrauen. Bringen Sie Ihre Wertschätzung der Mitarbeiterin, dem Mitarbeiter gegenüberzum Ausdruck und legen Sie offen, weshalb Sie das Gespräch suchen: nicht, um herauszufinden, ob Sie die Kündigung aussprechen sollen, sondern um besser unterstützen zu können.


  • Zögern Sie nicht, sich von der IV oder von Ihrem Krankentaggeldversicherer beraten zu lassen.  Vielleicht kommt das für Sie unerwartet, aber die Unterstützungsmöglichkeiten der IV sind vielfältig, wenn auch regional unterschiedlich ausgestaltet. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen bei den Taggeldversicherern sind sehr unterschiedlich.


  • Suchen Sie die Zusammenarbeit mit der betroffenen Person, der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und gegebenenfalls dem Case Management. Runde Tische mit allen Beteiligten sind für viele noch ein ungewohnter Gedanke, und Zurückhaltung seitens des Betroffenen hat häufig mit Verunsicherung zu tun. Kommunizieren Sie offen, was die Ziele des Gesprächs sind.


  • Nutzen Sie die Angebote zum erleichterten Wiedereinstieg. Fragen Sie bei der IV nach, ob Ihnen ein Betreuungszuschuss zusteht, wenn eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter wieder einsteigt.

So schützen Sie die psychische Gesundheit

Wer sich am Arbeitsplatz sicher und wohl fühlt, der bleibt gesund und ist bereit, sich voll zu engagieren. 7 Faktoren machen einen gesundheitsfördernden Führungsstil aus.

1. Sicherheit

Sicherheit entsteht, wenn Vorgaben und Erwartungen klar kommuniziert werden. Toleranz und Offenheit im Umgang mit Fehlern, Transparenz und Berechenbarkeit sind weitere wichtige Stichworte. ›› Damit der Austausch im Fluss bleibt, führen Sie fixe Wochen- und Monatsmeetings sowie regelmässige Mitarbeiter- und Zielvereinbarungsgespräche durch.Verhalten Sie sich stimmig: Sagen Sie, was Sie tun, und tun Sie, was Sie sagen.

2. Wertschätzung

Mitarbeitende brauchen Vorgesetzte, die ihnen Vertrauen schenken, Verantwortung übertragen und Wertschätzung geben – dies nicht nur leistungsbezogen, sondern auch auf der persönlichen Ebene. ›› Wertschätzung kann ihre positive Wirkung nur entfalten, wenn sie echt und angemessen ist. Sich Zeit zu nehmen für Mitarbeitende, ihnen Aufmerksamkeit zu zeigen und sie als Mensch zu sehen, auch im Betrieb, das reduziert Stress und motiviert zu guter Leistung.

3. Adäquate Belastung

Das richtige Mass an Belastung variiert – was man heute locker bewältigt, erweist sich nächste Woche vielleicht als zu viel, weil gleichzeitig private Schwierigkeiten anstehen. Ebenfalls gesundheitsgefährdend ist Unterforderung. ›› Zur Vermeidung von Burnout- und Boreout-Syndromen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tragen Sie aktiv bei, wenn Sie regelmässig Rückmeldungen zu Arbeitsmenge und Zeitressourcen einholen, auf die Passung von fachlicher Qualifikation und Tätigkeit achten, Prioritäten bei der Bearbeitung der Aufgaben bekannt geben und Herausforderungen anbieten.

4. Motivation statt Druck

Zu hoher Druck führt zu Stress, und dieser wirkt sich langfristig negativ auf die (psychische) Gesundheit aus. Wer sich im Betrieb wohlfühlt, sich mit seiner Arbeit identifizieren kann und darin einen Sinn sieht, ist aus sich heraus motiviert und damit auch weniger stressanfällig. ›› Motivation fördern Sie, wenn es Ihnen gelingt, persönliche Werte und innere Antreiber der Mitarbeitenden mit den Zielen des Unternehmens auf eine Linie zu bringen.

5. Handlungsspielraum

Zu starre Vorgaben und mangelnde Entscheidungsfreiheit sind Krankmacher. Führen Sie grosszügig, schenken Sie Vertrauen und sorgen Sie dafür, dass die Mitarbeitenden wissen, dass sie jederzeit auf Ihre Unterstützung zählen können.
›› Verzichten Sie darauf, Aufgaben zu stark vorzustrukturieren, und fördern Sie selbstständige Projektarbeit. Passen Sie den Handlungsspielraum dem einzelnen Mitarbeiter, der einzelnen Mitarbeiterin an und achten Sie auch darauf, niemanden mit zu viel Freiheit zu überfordern.

6. Betriebsklima

Für viele Menschen ist die Hauptmotivation, zur Arbeit zu gehen, das gute Verhältnis mit den Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten. Ein Betriebsklima, in dem sich alle wohlfühlen, ist daher für die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zentral. Als Führungskraft können Sie dazu sehr viel beitragen. ›› Nehmen Sie in grossen und kleinen Dingen Ihre Vorbildfunktion wahr, leben Sie Fairness vor, seien Sie ehrlich, tolerant und berechenbar. Sorgen Sie dafür, dass Sie erreichbar sind. Lassen Sie persönlichen und sozialen Austausch unter Ihren Mitarbeitenden zu.

7. Antidiskriminierende Haltung

Psychische Beeinträchtigungen und die damit verbundenen Leistungseinbussen sind gesellschaftlich immer noch stark stigmatisiert. Das erhöht die Hürde, in der Krise Hilfe zu holen, und kann zur Verschlimmerung der Situation führen. ›› Lassen Sie keine noch so harmlosen «Sprüche» über Betroffene zu. Informieren Sie transparent, zeigen Sie, dass Sie den betreffenden Mitarbeiter, die betreffende Mitarbeiterin unterstützen – so, wie Sie es tun, wenn jemand wegen einer Lungenentzündung ins Spital muss. Ebenfalls antidiskriminierend wirkt es, wenn Sie als Führungskraft in Zeiten der (privaten) Belastung hin und wieder offen über Ihre Befindlichkeit sprechen.

Quelle: www.compasso.ch – Berufliche Integration – Informationsportal für Arbeitgeber

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Weitere hilfreiche Empfehlungen und Hinweise finden Sie in unserer Broschüre «Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz - Ratgeber für Führungskräfte»: Bestellung und Download

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