Im Gespräch am Arbeitsplatz

Als Führungskraft: Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden

Nach einem Gespräch wissen Sie: Sie haben einen psychisch belasteten Mitarbeiter,eine psychisch belastete Mitarbeiterin mit einer Leistungseinbusse. Fragen, die Sie jetzt interessieren dürften, sind: Wie wirkt sich die Belastung auf die Arbeitsfähigkeit und -leistung aus? Erfolgt eine Krankschreibung? Wenn ja, für wie lange? Braucht es eine Entlastung im Betrieb? Wie wird der Wiedereinstieg erfolgen? Und vor allem: Wo bekomme ich Unterstützung?

So hilft das kantonale Arbeitsinspektorat.

Die Inspektorate sind Anlaufstellen für die Umsetzung des gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheitsschutzes. Sie bieten Beratungen an in Sachen psychische Gesundheit und helfen, sich im Dschungel der Unterstützungsangebote zu orientieren. Auf der Website www.psyatwork.ch finden Sie viele nützliche Informationen.

So hilft die Krankentaggeldversicherung.

Das Gesetz schreibt vor, dass der Arbeitgeber den Lohn bei Krankheit während einer gewissen Dauer zahlen muss. Wenn Sie die Kosten dafür nicht selber tragen wollen, können Sie eine Krankentaggeldversicherung abschliessen. ›› Die Angebote der einzelnen Krankentaggeldversicherer sind sehr unterschiedlich. Einige Versicherer haben erkannt, dass bei psychischen Belastungen eine frühzeitige Unterstützung nicht nur sinnvoll, sondern auch kostengünstiger ist. Sie bieten zum Beispiel Case Management oder Coaching, Arbeitsversuche und eine graduierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit an.

So hilft die IV.

Invalidenversicherung – ist die nicht zuständig für Renten? Doch, aber im letzten Jahrzehnt verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf den Arbeitsplatzerhalt. Deshalb ist die IV für Sie wichtig. Sie verfügt über eine Reihe von Instrumenten, die teilweise schon früh zur Anwendung kommen: Früherfassung, Frühintervention und Eingliederungsmassnahmen.

Früherfassung.
Nach einer mindestens 30-tägigen Arbeitsunfähigkeit oder nach wiederholten häufigen Arbeitsausfällen über ein Jahr verteilt ist eine Meldung bei der IV möglich. Diese Meldung kann durch Sie, aber auch durch die betroffene Person selbst erfolgen. Dieser Schritt ist empfehlenswert, wenn sich Leistungsminderungen abzeichnen. Sie erfahren, welche Abklärungsschritte und Unterstützungsmassnahmen sinnvoll sein können. Die Früherfassung ist aber primär eine Vorabklärung, ob eine IV-Anmeldung angezeigt ist. Diese braucht es nämlich, wenn weitere Unterstützungsschritte nötig sind.

Frühintervention.
Die Frühintervention hat zum Ziel, eine längere Arbeitsunfähigkeit zu verhindern. Deshalb soll die Hilfe hier rasch und relativ unbürokratisch möglich sein. Pro Person stehen für Frühinterventionsmassnahmen maximal 20 000 Franken zur Verfügung. Es gibt die folgenden Möglichkeiten:

  • Anpassung des Arbeitsplatzes. Psychisch belastete Menschen und insbesondere Menschen mit einem AD(H)S oder auch Autismus leiden unter Reizüberflutung; sie brauchen ruhige Arbeitsplätze. Die IV kann hier beispielsweise den Einsatz lärmschluckender Wandabdeckungen unterstützen.
  • Ausbildungskurse, Arbeitsvermittlung und Berufsberatung. Manchmal ist die Passung zwischen der betroffenen Person und dem Arbeitsplatz schlecht. Hier kann ein interner oder externer Stellenwechsel entlasten; die IV unterstützt bei der Umsetzung und beim Ausbildungsbedarf.
  • Sozialberufliche Massnahmen und Beschäftigungsmassnahmen. Sozialberufliche Massnahmen – häufig in Form eines Coachings oder im Rahmen eines Case Managements – helfen, am Arbeitsplatz die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Bei psychischen Belastungen muss meist nicht der Arbeitsplatz, sondern das Arbeitsprofil angepasst werden. Beschäftigungsmassnahmen kommen zum Tragen, wenn jemand am angestammten Arbeitsplatz nicht arbeitsfähig ist. Die Spezialisten und Spezialistinnen der IV beraten Sie und die betroffene Person und begleiten den Prozess.

 

Berufliche Eingliederungsmassnahmen.
War jemand länger arbeitsunfähig, muss die Leistungsfähigkeit in der Regel stufenweise wiederaufgebaut werden. Hier hilft die IV mit folgenden Massnahmen:

  • Integrationsmassnahme. Sie folgt häufig auf die Frühintervention und beinhaltet die ersten Schritte in der beruflichen Reintegration, darunter Belastbarkeits- und Aufbautrainings sowie die wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeitsplatz (WISA-Massnahme). In der Regel wird die Integrationsmassnahme von einem Case Manager begleitet. Während die Frühintervention unbürokratisch ausgelöst werden kann, muss eine Integrationsmassnahme verfügt werden. Sie kommt frühestens nach sechsmonatiger Leistungseinschränkung zum Tragen. Die Massnahme selbst dauert in der Regel drei Monate bis ein Jahr, in Ausnahmefällen wird ein weiteres Jahr zugesprochen. Die Handhabung ist stark individualisiert.
  • Umschulung, Unterstützung für Erstausbildungen. Gelingt es nicht, eine prekäre Situation zu stabilisieren, bleibt die klassische berufliche Eingliederung. Deren wichtigste und häufigste Massnahme ist die Umschulung. ›› Scheitern Jugendliche und junge Erwachsene aus gesundheitlichen Gründen in der Erstausbildung oder verzögert sich diese, ist die IV ebenfalls eine Anlaufstelle. Sie klärt ab, ob gewisse Mehrkosten übernommen werden.
  • Arbeitsversuch. Er ist oft die Schlussstrecke auf dem Genesungsweg: Während sechs Monaten kann sich eine erkrankte Person beim bisherigen Arbeitgeber (oder bei einem neuen) in einem anderen Tätigkeitsfeld oder in einer anderen Abteilung im ersten Arbeitsmarkt erproben. Hierfür richtet die IV Taggelder aus, und der Versuch wird meist durch ein Case Management oder Coaching begleitet.

 

Finanzielle Hilfen der IV.
Die IV richtet nicht nur Renten aus, sondern kennt auch andere finanzielle Instrumente.

  • Einarbeitungszuschüsse. Übernehmen Sie einen Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin nach einer längeren Krankheitsphase, können Sie bei der IV Einarbeitungszuschüsse beantragen, wenn die betroffene Person einen hohen Unterstützungsbedarf hat und ihre Leistungsfähigkeit noch reduziert ist.
  • Taggelder. Die IV zahlt unter bestimmten Bedingungen Taggelder, etwa während Integrationsmassnahmen, Umschulungen und Erstausbildungen. Keine Taggelder gibt es in der Phase der Frühintervention.
  • Kapitalhilfe. Sie wird hier der Vollständigkeit halber erwähnt und kommt zum Zug, wenn sich jemand aus gesundheitlichen Gründen selbstständig machen muss.Regel drei Monate bis ein Jahr, in Ausnahmefällen wird ein weiteres Jahr zugesprochen. Die Handhabung ist stark individualisiert.

Case Management.

Case Managerinnen und Case Manager kümmern sich um die Schnittstelle zwischen Betroffenen, Behandlern, Versicherern und Arbeitgebern. Es gibt private Case-Management-Firmen, die sich auf die psychische Gesundheit spezialisiert haben; Taggeldversicherer und IV betreiben aber auch häufig ein eigenes Case Management. Case Manager und Case Managerinnen sind für alle Beteiligten eine wichtige Stütze. Sie arbeiten sehr praxisorientiert und gezielt auf den Arbeitsplatzerhalt oder auf den beruflichen Wiedereinstieg hin. Dabei koordinieren sie die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Parteien.

Bestellung und Downloads

Weitere hilfreiche Empfehlungen und Hinweise finden Sie in unserer Broschüre «Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz - Ratgeber für Führungskräfte.»: Bestellung und Download

Im Leitfaden «Wie gehe ich mit psychisch belasteten Mitarbeitenden um?» finden Sie viele Hinweise. Ein Leitfaden für Arbeitgeber und Führungskräfte. Hrsg: Stiftung Rheinleben, Psychiatrie Baselland.  Download

Auf der Website www.leaderscare.ch finden Sie ein ein Trainingstool für Führungskräfte und Personalverantwortliche. Es unterstützt die Bewältigung schwieriger Situationen mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden.

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