Vater und Sohn im Gespräch

Kinder psychisch erkrankter Eltern

Kinder sind von psychischen Erkrankungen ihrer Eltern immer mitbetroffen, denn psychische Krankheiten beeinflussen die Beziehung von Eltern und Kindern und die emotionale Entwicklung der Kinder. Und das je nach Krankheit und Schwergrad mehr oder weniger. 

Der gesellschaftliche Druck, „perfekte“ Eltern zu sein, ist enorm. Aus Angst, als Mutter oder Vater in Frage gestellt zu werden oder gar das Sorgerecht zu verlieren, suchen viele Eltern keine Hilfe. Belastete Familiensysteme funktionieren gegen aussen häufig über lange Zeit als „heile Welt“. Die Kinder erkennen in der Regel nicht was los ist und dass es auch anders sein könnte. Die Gefahr ist da, dass sie ihre Sorgen verdrängen und dass sie die Patient/innen von morgen werden.

Auch von Fachleuten wurde die Elternrolle bisher wenig beachtet. Heute wird in der Behandlung psychisch erkrankter Eltern zunehmend versucht, auch Elternfertigkeiten zu stärken und Entlastungen für die ganze Familie zu finden.

Was bekümmert betroffene Kinder?

  • Sie wissen nicht was los ist und sind verwirrt.
  • Sie sind wütend oder verzweifelt und können das aber nicht ausdrücken.
  • Sie machen sich Sorgen.
  • Sie haben Angst mit anderen Leuten über die Situation zu Hause zu sprechen, denn sie wollen die Mutter oder den Vater nicht schlecht machen oder verraten.
  • Sie schämen sich, dass ihre Familie anders ist.
  • Sie glauben, dass sie schuld sind, dass es der Mutter oder dem Vater schlecht geht.
  • Sie fühlen sich verpflichtet, im Haushalt zu helfen.
  • Sie glauben, den Ausgleich schaffen zu müssen (fröhlich sein, keine Probleme machen, Leistung erbringen).

Was bemerken die Kinder?

  • Der betroffene Elternteil schläft zu ungewöhnlichen Zeiten.
  • Das Essen wird oft nicht vom kranken Elternteil vorbereitet / gekocht.
  • Der Haushalt ist unordentlich oder chaotisch.
  • Es gibt weniger gemeinsame Aktivitäten.
  • Die Mutter oder der Vater wirkt traurig, komisch, abwesend, ist nicht präsent.
  • Die Mutter oder der Vater zieht sich viel zurück.
  • Die Stimmungen wechseln schnell – darf ich traurig oder fröhlich sein?
  • Und irgendwo ist da immer ein grosses Geheimnis.

Was tut betroffenen Kindern gut?

  • Zu wissen, welche Krankheit die Mutter / der Vater hat.
  • Dass sie mit anderen über ihre Sorgen und Ängste reden dürfen, ohne zu fürchten, dass sie die Familie schlecht machen oder verraten. Geheimisse belasten Kinder stark. 
  • Sich mit anderen betroffenen Kindern treffen und austauschen.
  • Unterstützung durch Fachpersonen erhalten.
  • Zu wissen, dass die Mutter / der Vater sich helfen lässt.
  • Zu wissen, dass auch andere für einen da sind (Notfall-Adressen von Grosseltern, Freunden, Nachbarn).
  • Zu wissen, dass man nicht für die Krankheit des Elternteils verantwortlich ist.

Was tun, wenn ich psychisch erkrankt bin und mir Sorgen um meine Kinder mache?

Für Kinder ist es wesentlich, zu wissen was mit ihrer Mutter/ihrem Vater los ist. Es ist ein Zeichen von guter Elternschaft, wenn Sie sich beraten lassen, wie Sie Ihre Elternrolle trotz Erkrankung wahrnehmen können. Falls Sie in Behandlung sind, können Sie das Thema mit Ihrer Therapeutin, Ihrem Therapeuten besprechen. Ansonsten können Sie sich zum Beispiel an das Beratungstelefon von Pro Mente Sana oder der Dargebotenen Hand wenden, siehe Adressen.

Was tun, wenn mein Partner, meine Freundin, mein Kollege erkrankt ist und ich mir auch Sorgen um die Kinder mache?

Sprechen Sie das Thema an. Wenn irgend möglich zunächst mit der erkrankten Person selbst, um gemeinsam mit ihr und allenfalls auch einer Therapeutin/einem Therapeuten einen Weg zu finden, wie mit der Erkrankung und den Kindern umgegangen werden kann. Vielleicht können Sie in irgendeiner Form zur Unterstützung und zur Entlastung in der Familie beitragen. Eventuell können Sie die Kinder auch direkt auf die Situation ansprechen, das kommt aber sehr auf das Alter der Kinder drauf an. Unter Gesprächstipps finden Sie Hinweise, wie ein Gespräch gelingen könnte.

 

Bilderbücher und Broschüren können helfen

Bilderbücher können bei der Thematisierung mit kleineren Kindern helfen. Für ältere Kinder gibt es Broschüren und Kinder- und Jugendliteratur zum Thema, die ihnen zeigen, dass sie mit der Situation nicht alleine sind und ebenfalls Möglichkeiten für ein Gespräch eröffnen können. Eine Liste mit Kinder- und Jugendbücher findet sich hier: Literatur, Medien und Links für Kinder und Jugendliche (PDF). Auch für Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen gibt es Broschüren, Ratgeber und Filme zum Thema, die helfen, die Situation von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern psychisch erkrankt sind, besser zu verstehen. Mehr Informationen finden Sie unter Literatur, Medien und Links für Eltern & Angehörige (PDF).

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Kindern psychisch erkrankter Eltern finden sich auf der Webseite des Institutes Kinderseele Schweiz und auf www.feel-ok.ch

Quellen: Beobachter Ratgeber „Ganz normal anders“ von Thomas Ihde-Scholl
Lesly Luff, selbstbetroffenes erwachsenes Kind, Kindergärtnerin, Eltern- und Erwachsenenbildnerin FA, Peer und Systemischer Coach FSB

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