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Recovery: Das Leben wieder selbst in die Hand nehmen

Recovery bedeutet Genesung oder Gesundung. Der Wortbedeutung entsprechend will der Recovery-Gedanke den gesunden Anteil im Menschen stärken und helfen, mit Symptomen umzugehen. Für den Gesundungsweg bedeutet das vor allem sich der Frage zu stellen, „Wer bin ich mit oder ohne meine Krankheit?“ „Wie kann ich mit den vermeintlich „kranken“ oder „gesunden“ Anteilen im Leben klar kommen?“

Recovery ist keine Gegenbewegung zu ambulanter Unterstützung, zu Klinik oder Medikamentation, sondern eine Gegenbewegung gegen zu viel Fürsorge, gegen erlernte Hilfslosigkeit und Passivität, gegen Perspektivenlosigkeit und Abhängigkeit. Recovery will dabei unterstützen, an sich selber zu glauben, die eigenen Stärken (wieder-) zu erkennen, sich aus gemachten Erfahrungen weiterzuentwickeln und die eigene Selbstbestimmung zurück zu gewinnen.

Grundsätze des Recovery-Konzeptes

  • Gesundung ist auch bei schweren psychischen Erkrankungen möglich
    Mit Gesundung ist gemeint, dass die Erkrankung ganz abklingt oder die Betroffenen gut mit ihrer Erkrankung leben können. Gesundung ist auch nach längerer Krankheitszeit möglich.

  • Ohne Hoffnung geht es nicht
    Hoffnung auf eine positive Entwicklung ist ein zentraler Faktor, der darüber entscheidet, ob Gesundungsprozesse in Gang kommen. Neben der Hoffnung der Betroffenen ist auch die der Angehörigen und Fachpersonen zentral.

  • Jeder Gesundungsweg ist anders
    Verschiedene Menschen brauchen unterschiedlich viel Zeit für Gesundungsschritte. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden und gehen.

  • Gesundung ist kein linearer Prozess
    Sie ist nicht systematisch und planbar. Vielmehr kann es plötzliche positive Veränderungen geben, aber auch Stillstand und Rückschritte sind möglich.

  • Gesundung geschieht auch wenn Symptome fortbestehen oder Krisen auftreten
    Gesundung bedeutet nicht zwangsläufig vollkommene Symptom- und Krisenfreiheit. Krisen und Symptome treten aber seltener auf und sind weniger belastend.

  • Krankheit und Gesundung verändern den Menschen
    Durch die Erkrankung verändert sich der Betroffene. Gesundung bedeutet nicht, wieder genau so wie vor der Erkrankung zu sein.

  • Gesundung ist mit, ohne oder trotz professioneller Hilfe möglich
    Fachliche Unterstützung ist nur ein Faktor unter vielen, der Gesundung fördern kann.

Wo wird mit Recovery gearbeitet

Recovery ist vor allem im angelsächsischen Raum verbreitet. In der Schweiz wird das Konzept je länger je mehr auch angewandt – sei es in psychiatrischen Kliniken oder durch selbstständige Peerberaterinnen und -berater.

Quelle: Beobachter Ratgeber „Ganz normal anders“ von Thomas Ihde-Scholl

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