Vater und Sohn im Gespräch

Was man selbst tun kann, bei einer (möglichen) psychischen Erkrankung

Viele von uns kennen Stimmungsschwankungen, erleben sich zeitweise antriebslos, sind traurig oder gestresst. Oft verfügen wir über genügend Ressourcen, um zur inneren Balance zurückzufinden und uns zu erholen. Doch was ist, wenn sich die Stimmung nicht mehr aufhellt, wenn Ängste bestehen bleiben oder wenn Stresssymptome zunehmen? Ab wann ist Handeln statt Aushalten angesagt? Wie kann man sich selber helfen und wann ist Hilfe von aussen nötig?

Die eigene Lebenssituation überprüfen

„Ich komme dauernd an meine Grenzen.“ „Ich bin immer traurig.“ „Alles macht mir Angst.“ „Der Stress nimmt kein Ende.“ „Ich kann einfach nicht mehr schlafen.“ Kennen Sie solche Gedanken? Sie sind damit nicht alleine! Diese Gedanken machen uns darauf aufmerksam, dass irgendetwas in unserem Leben nicht mehr im Gleichgewicht ist. Ein Überprüfen der eigenen Lebenssituation kann mögliche Lösungen aufzeigen. Diese Fragen können Ihnen dabei helfen:

  • Was mache ich gerne, was gibt mir Auftrieb, Zufriedenheit, Gelassenheit?
  • Was würde mir im Moment gerade gut tun?
  • Welche Menschen können mich motivieren, bestärken, unterstützen?
  • Was mache ich für meine Gesundheit? Ernähre ich mich regelmässig und gesund und halte ich auch meinen Körper in Bewegung? Welche Aktivität, welchen Sport mache ich gerne oder habe ich in der Vergangenheit gerne gemacht?
  • Was hilft mir, mich zu entspannen, zur Ruhe zu kommen? 
  • Wie sieht mein Alltag aus? Habe ich einen Rhythmus, Strukturen, die mir entsprechen und gut tun? (Mahlzeiten, Aktivitäten, Auszeiten, Begegnungen, Beruf und Erholung)
  • Muss ich alles selber tun, entscheiden? Wie, wo kann ich mich abgrenzen, entlasten?
  • Muss ich überall dabei sein?
  • Welche Menschen tun mir gut, welche weniger?
  • Was hat mir bisher in schwierigen Situationen geholfen?
  • Was ist wirklich wichtig und wesentlich in meinem Leben?

Weitere Fragen und Hinweise zur Pflege der psychischen Gesundheit sind im Kapitel „Gesund bleiben“ zusammengestellt.

Diese Inputs vermögen vielleicht Änderungen anzustossen, die Ihnen Erleichterung verschaffen. Nicht immer gelingt es aber, alleine alle Probleme zu lösen. Dann sollten Sie erwägen, sich Unterstützung zu suchen.

Unterstützung holen ist ein Zeichen von Stärke

Vieles geht einfacher, wenn man es mit anderen Menschen zusammen macht. Das gilt auch in Situationen, in denen es einem psychisch nicht so gut geht. In solchen Momenten Hilfe anzunehmen ist keine Schande, sondern ein kluger Entscheid, der zeigt, dass man seine Lage realistisch einschätzt und Verantwortung für sich übernimmt.

  • Hilfe im privaten Umfeld...
    Es kann gut tun, zunächst mit einer vertrauten Person das Gespräch zu suchen. Unter Gesprächstipps finden Sie viele Hinweise, wie Sie dabei vorgehen können. Überlegen Sie sich wenn möglich, welche Art von Unterstützung im Moment hilfreich wäre. Brauchen Sie einfach mal jemanden, der Ihnen zuhört? Wäre Ihnen geholfen, wenn Sie im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung entlastet würden? Möchten Sie wieder einmal etwas Schönes mit jemandem teilen, zum Beispiel einen Kinoabend, einen Matchbesuch, zusammen Sport zu machen oder einen Spaziergang? Vielleicht brauchen Sie auch Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Behandlung, die Ihnen weiterhelfen kann?

    Grundvoraussetzung dafür, dass Hilfe aus dem privaten Umfeld kommen kann ist, dass die betroffenen Personen Kenntnis über Ihre Situation haben. Darüber zu sprechen ist in belasteten Zeiten oft schwierig. Und um Hilfe zu bitten, kann noch viel schwieriger sein. Ein Familienrat hilft, betroffene Personen aus ihrem Umfeld zu Beteiligten ihrer Situation zu machen. Mehr dazu erfahren Sie auf www.fachstelle-familienrat.ch

  • Angebote zur Ressourcenaktivierung
    Es gibt eine breite Palette von Angeboten, die einem darin unterstützen, eigene Stärken zu mobilisieren oder Entspannung zu finden. Dabei ist wichtig, herauszufinden, was zu einem passt. Dazu hilft vielleicht ein Gespräch mit Freundinnen oder Kollegen. Mögliche Behandlungen sind z.B. Massagen, Yoga, Thai-Chi, Qi-Gong, Autogenes Training, Meditation, Atemtherapie oder kreative Gestaltungsmöglichkeiten wie Malen, Modellieren und Musizieren. All diese Angebote helfen, sich bewusster wahrzunehmen und achtsamer mit sich, den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen umzugehen.

    Auch eine Beratung oder ein Coaching mit einer professionellen Fachperson (das sind beispielsweise Psycholog/innen) kann dafür sehr hilfreich sein. Im Coaching suchen Fachpersonen zusammen mit Betroffenen und allenfalls auch Angehörigen nach Entlastung im Alltag, nach Orientierung und nach neuer Ausrichtung.

    Ebenso können Seelsorger zur Vertrauensperson werden. Das sind Geistliche einer Religionsgemeinschaft, die Betreuung, Beratung und Begleitung anbieten.

  • Selbsthilfegruppen und Peerberatung
    Sie sind nicht die oder der einzige mit Ihren Sorgen, Ängsten oder Schwierigkeiten. Es gibt viele andere, die die gleiche Erfahrung machen oder gemacht haben. Es kann sehr hilfreich und entlastend sein, sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen. Plötzlich ist man nicht mehr alleine, nicht mehr so „anders“ und fühlt sich verstanden. Den Austausch mit Gleichbetroffenen finden Sie in Selbsthilfegruppen (Adressen und weitere Informationen dazu unter www.selbsthilfeschweiz.ch) oder in der Peerberatung.

    Die Peer-Bewegung kommt von ehemals betroffenen Menschen, die lange als unheilbar krank oder „untherapierbar“ galten und die trotz dieser negativen Prognose ihren Weg erfolgreich gingen. Peers oder „Expertinnen/Experten aus Erfahrung“ können aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit psychischen Problemen oder Erkrankungen sehr gut verstehen, was andere durchmachen, Erfahrungen austauschen, neue Wege bestärken, anregen und unterstützen. Die Grundlage ihres Verständnisses und ihrer Unterstützung basiert häufig auf dem Recovery-Modell, welches Erkrankte darin unterstützen will, eigene Stärken zu erkennen und die Selbstbestimmung zurückzugewinnen.

  • Psychotherapeutische und ärztliche Behandlungen
    Wenn die Belastung andauert und sich Ihre Situation nicht verbessert, sollten Sie eine therapeutische Behandlung in Erwägung ziehen, denn psychotherapeutische Fachpersonen haben eine fundierte und breite Ausbildung in der Behandlung psychischer Erkrankungen. 

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