Mutter Tochter Spazieren

Mutter oder Vater sein mit einer psychischen Erkrankung

Auch wenn alle Eltern im Alltag von Zeit zu Zeit an ihre Grenzen stossen, ist der gesellschaftliche Druck, «perfekte» Eltern zu sein, enorm. Aus Angst, als Mutter oder Vater in Frage gestellt zu werden, suchen viele Eltern keine Hilfe, wenn sie selber psychisch erkranken. Wenn Eltern jedoch therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, wird nicht nur dem erkrankten Elternteil geholfen. Eine Therapie bietet auch die Möglichkeit, über die Situation der Kinder und der Familie zu sprechen. Wie können Eltern trotz Erkrankung ihre Erziehungsaufgabe möglichst gut erfüllen? Welche zusätzlichen Unterstützungsmöglichkeiten für die Familie gibt es? Ist das geklärt, kann auch für die Kinder eine Verbesserung der Situation entstehen.

Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt

Kinder haben feine Sensoren und merken in der Regel rasch, dass etwas nicht stimmt. Sie können sich nicht immer erklären, was los ist, und wissen manchmal nicht, dass es auch anders sein könnte. Nicht selten leiden sie stark unter der Situation, auch wenn das nicht in jedem Fall offensichtlich ist. Manche Kinder werden «schwierig», andere versuchen, alles perfekt zu machen, um keine zusätzlichen Probleme zu verursachen.

Was die Kinder psychisch erkrankter Eltern beschäftigt

Kinder beschäftigen Fragen wie: «Warum weint Mama? Warum ist Papa immer zu müde zum Spielen? Warum schläft Mama so viel? Wieso erzählt Papa so komische Sachen? Wie soll ich mich Mama gegenüber verhalten? Darf ich fröhlich sein oder muss ich auch traurig sein? Was mache ich, wenn zu Hause nichts mehr funktioniert? Ist Papa wegen mir krank geworden? Wird es noch schlimmer werden? Was heisst Therapie? Kann meine Mutter oder mein Vater wieder gesund werden? Werden ich oder andere Familienmitglieder auch krank? Darf ich anderen davon erzählen?»

Praktische Tipps für psychisch erkrankte Eltern:


Erklären Sie, was los ist

Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt. Wenn sie nichterfahren, was los ist, geben sie sich die Schuld für die veränderte Stimmung und leiden. Bilderbücher können bei der Thematisierung helfen: Literatur, Medien und Links für Kinder und Jugendliche (PDF).

Nehmen Sie Ihr Kind ernst
Hören Sie ihm zu und gehen Sie auf seine Fragen ein.

Bleiben Sie in Beziehung
Fragen Sie regelmässig nach, wie es dem Kind geht, welches seine Sorgen und Ängste sind, was ihm Kraft gibt. Erzählen Sie auch von sich, wo Sie stehen, wie es Ihnen geht. Das stärkt die Beziehung und das Vertrauen zwischen Ihnen und dem Kind.

Halten Sie vertraute Gewohnheiten aufrecht
Rituale wie etwa das abendliche Vorlesen einer Geschichte oder regelmässige Aktivitäten wie der Besuch des Judokurses am Mittwochnachmittag geben Kindern Halt und Sicherheit.

Ermöglichen Sie den Austausch
Ihr Kind braucht Menschen, mit denen es über seine Situation reden kann. Insbesondere ältere Kinder wünschen sich auch Austausch mit anderen Kindern in ähnlichen Situationen.

Informieren Sie das Umfeld
Wenn die Bezugspersonen über die Situation in der Familie informiert sind, können sie angemessener reagieren, falls das Kind sich anders verhält als gewohnt, und es besser unterstützen.

Entlasten Sie sich und Ihr Kind
In Zeiten, in denen Sie nicht mehr genügend Kraft haben, sich um Ihre Kinder zu kümmern, ist ein Helfernetz wichtig. Nicht nur für die Bewältigung des Alltags, sondern auch für die Freizeitgestaltung. Kinder brauchen Raum, um auch wieder einmal ganz unbeschwert Kind sein zu können. Wer könnte in Frage kommen für einen Ausflug, einen Kinobesuch, für das Pflegen eines Hobbys, für den Fahrdienst zum Sporttraining oder fürs Helfen bei den Hausaufgaben?

Vergessen Sie das Wichtigste nicht
Ein Lächeln und eine Umarmung schenken Ihrem Kind Vertrauen und Hoffnung.

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