Arbeitskollegen im Gespräch

Am Arbeitsplatz über psychische Gesundheit sprechen

Auch am Arbeitsplatz ist es besser, psychische Probleme und Erkrankungen offen zu benennen, weil dann nach Lösungen gesucht werden kann. Nicht darüber zu reden und nicht darauf angesprochen zu werden, bedeutet zudem, mit der Belastung und mit den Ängsten allein zu bleiben. Das wiederum verschlimmert die Situation.

Für Arbeitnehmende

Eine Frage der Betriebskultur

Nicht in jedem Betrieb herrscht eine offene und unterstützende Betriebskultur in Bezug auf psychische Erkrankungen. Es ist darum verständlich, dass das Sprechen über psychische Belastungen am Arbeitsplatz besonders oft mit Ängsten verbunden ist: Wie reagiert das Umfeld? Die Vorgesetzten? Die Kolleginnen und Kollegen, die vielleicht für mich einspringen müssen? Verliere ich die Stelle?
Folgende Fragen können Ihnen helfen, sich zu entscheiden,  ob Sie Schwierigkeiten von sich aus ansprechen sollen: Spricht man in Ihrem Betrieb offen über psychische Belastungen? Wie ist Ihr Verhältnis zu den Personalverantwortlichen oder Vorgesetzten? Mit welcher Reaktion rechnen Sie?

Die Haltung der Vorgesetzten testen.

Sie können nicht abschätzen, wie Ihre Chefin/Ihr Chef auf Ihre gesundheitlichen Beschwerden reagiert? Starten Sie einen Versuch, indem Sie laut über mögliche Erklärungen nachdenken: «Ich merke, dass ich in letzter Zeit häufig erschöpft bin. An manchen Tagen habe ich Energie, an anderen halte ich den Nachmittag kaum durch. Ich habe mir schon überlegt, ob ich wegen der Augen so müde bin und eine neue Brille brauche. Eine Freundin von mir hatte zu wenig Eisen und war immer erschöpft, und vielleicht ist es ja auch psychisch.» Die Reaktion der Vorgesetzten wird Ihnen ihre/seine Haltung gegenüber psychischen Belastungen verraten. Sind Tonfall, Mimik und auch ihre/seine Antwort wertfrei und vielleicht sogar unterstützend, dann rückt ein vertieftes Gespräch in den Bereich des Möglichen.

Und wie geht es weiter? Zwei Varianten:

  • A) Sie haben sich entschieden, das Thema Ihrer/Ihrem Vorgesetzten gegenüber nicht zu erwähnen, weil Sie Diskriminierung befürchten. Gehen Sie zur Hausärztin/zum Hausarzt oder suchen Sie Unterstützung bei einer Fachperson aus dem psychiatrisch-psychologischen Bereich. Lassen Sie sich zusätzlich arbeitsrechtlich beraten, wenn Sie sich diskriminiert fühlen und befürchten müssen, den Arbeitsplatz zu verlieren (Beratungsangebote siehe Adressen).
  • B) Sie wissen, dass Sie in Ihrem Betrieb unterstützt werden und Sie haben den zuständigen Personen Ihre Situation geschildert. Dazu haben Sie möglicherweise Gesprächstipps dieser Website befolgt. Vielleicht können Sie auch schon mitteilen, dass Sie bereits in Behandlung sind. Das zeigt, dass Sie Verantwortung für Ihre Gesundung übernehmen: ein wichtiges Signal.

Für Personen mit Führungsverantwortung

Führungskräfte merken in der Regel schon früh, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter psychische Probleme hat. Die verbreiteten Hemmungen, psychische Auffälligkeiten anzusprechen, verhindern allerdings häufig, dass rechtzeitig gute Lösungen gefunden werden.

Ansprechen ist entscheidend wichtig

Statt Probleme zu thematisieren, wenn das Arbeitsumfeld noch hilfsbereit und geduldig ist, wird häufig zugewartet, bis die Situation eskaliert. Führungskräfte sollten deshalb bei psychischen Auffälligkeiten so früh wie möglich das Gespräch mit dem Betroffenen suchen und ihre Wahrnehmung wertschätzend aber klar gegenüber der Person ansprechen.

Es gibt keinen „richtigen“ Zeitpunkt

Es gibt keine generelle Frist oder objektive Kriterien, wann man Veränderungen thematisieren sollte. Aber es gilt: Je früher desto besser und allerspätestens, wenn Führungskräfte deutlich ungute Gefühle haben  Zum Beispiel wenn sie froh sind, wenn der betreffende Mitarbeiter ein paar Tage krank ist, sie sich gedanklich auch privat noch mit dem Mitarbeitenden beschäftigen oder sie sich im Umgang mit ihm vorsichtiger verhalten als mit anderen Mitarbeitenden.

Erwartungen kommunizieren

Im Gespräch (oder in Folgegesprächen) ist es sinnvoll, klare Vorgaben und Erwartungen zu kommunizieren. Es geht nicht nur darum, die Probleme des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin zu «verstehen», sondern auch darum, ihm/ihr verständlich zu machen, was man erwartet.
Weitere hilfreiche Empfehlungen und Hinweise finden Sie im Leitfaden «Wie gehe ich mit psychisch belasteten Mitarbeitenden um?» Ein Leitfaden für Arbeitgeber und Führungskräfte. Hrsg: Stiftung Rheinleben, Psychiatrie Baselland.

Quelle: Wenn die Psyche streikt – Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Thomas Ihde-Scholl. Beobachter Edition. Bezug siehe hier.

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