Mutter Tochter Mauer

Gesprächstipps für Familien


Sie finden hier Tipps, wie man mit Kindern über ihre Erkankung sprechen kann und weiter unten Hinweise, wie man die psychische Erkrankung eines Elternteils thematisieren kann.

Mit psychisch belasteten Kindern sprechen

Manchmal ziehen sich Kinder und Jugendliche zurück, wenn sie psychisch belastet sind. Die folgenden Tipps können helfen, als Mutter, Vater oder andere nahe Bezugsperson mit einem psychisch belasteten Kind ins Gespräch zu kommen.


Vor dem Gespräch: Mit dieser Haltung gelingt das Gespräch besser

  • Die Beziehung zum Kind ist wichtiger als die schnelle Problemlösung: Versuchen Sie, mit dem Kind in Kontakt zu kommen, Interesse und Verständnis für seine Situation zu zeigen und zu verstehen, wie die Situation aus der Sicht des Kindes aussieht.


Das Gespräch starten

  • Gehen Sie für den Gesprächseinstieg von sich aus (Ich-Botschaften). Sagen Sie beispielsweise „Ich möchte mit dir reden, weil du mir wichtig bist und weil mich die Situation belastet. “ oder „Ich mache mir Sorgen um dich“ und nicht „Du brauchst Hilfe“ oder „Du benimmst dich unmöglich“. Anklage bewirkt Scham, macht zu – Einfühlsamkeit bewirkt Verstanden sein, öffnet neue Wege.

  • Zeigen Sie echtes Interesse, ohne vorher schon eine eigene Erklärung oder Lösung im Kopf zu haben. „Wie erlebst du das? Was würde dir helfen, was ist für dich schwierig?“ Überlegen Sie gemeinsam mit dem Kind, wie Sie beide besser mit bestimmten Situationen umgehen können.

  • Für den Gesprächseinstieg mit kleineren Kindern eignen sich auch Bilderbücher zum Thema „Gefühle“. „Was macht dich wütend, traurig, glücklich?“. Hier finden Sie eine Liste von Kinderbücher als Download:
    Literatur, Medien und Links für Kinder und Jugendliche (PDF)



Wenn sich (noch) kein Gespräch ergibt…

  • Ziehen Sie weitere Bezugspersonen mit ein. Manchmal findet der andere Elternteil oder eine andere nahe Bezugsperson gerade eher den Draht zu dem Kind.
     
  • Für Jugendlichen ist es häufig einfacher, sich im Freundeskreis zu öffnen. Hat Ihr Kind Freunde, mit denen es sich austauschen kann?

  • Versuchen Sie später wieder, ins Gespräch zu kommen. Nehmen Sie die Gelegenheiten wahr, in welchen das Kind Gesprächsbereitschaft zeigt.

 


Im Gespräch

  • Bohren Sie nicht, respektieren Sie die Grenzen, wenn ein Kind etwas nicht erzählen will.

  • Je nach Alter des Kindes ist Körperkontakt ein gutes Mittel, um Unterstützung und Zuwendung zum Ausdruck zu bringen. Respektieren Sie aber auch die Grenzen des Kindes, wenn es keine körperliche Nähe haben will.

  • Alle Gefühle sollen Platz haben – auch die der Überforderung, des Zorns, des Nicht-Verstehen-Könnens o.ä.

  • Das Kind bestimmt, wie lange das Gespräch dauert. EIN Gespräch löst selten die ganze Situation auf, es kann aber Türöffner für ein nächstes Gespräch sein.

  • Gemeinsam schweigen und traurig sein kann manchmal auch schon Hilfe sein und Nähe herstellen. Auch das „Da Sein“ ohne Worte ist wertvoll.

  • Vergleiche mit anderen Situationen, Kindern oder Familien helfen meist wenig.

  • Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind sei offen dafür, schlagen Sie vor, Kontakt mit einer Fachperson aufzunehmen, damit es allen möglichst bald wieder besser geht.

 


Über psychische Erkrankungen sprechen?!

  • Generell gilt: Das Sprechen über die Erkrankung des Kindes (in altersgerechter Form!) ist sinnvoller, als diese zu tabuisieren, das heisst, so zu tun, als gäbe es gar kein Problem.

  • Wenn Ihr Kind bereits in professioneller Behandlung ist, können Sie mit der behandelnden Fachperson besprechen, in welcher Art und mit welchen Worten Sie mit dem Kind über seine konkrete Erkrankung sprechen können. 

  • Je nach Schwierigkeiten und Belastungen braucht ein Kind unterschiedliche Art der Unterstützung. Suchen Sie als Mutter oder Vater möglichst frühzeitig auch das Gespräch mit einer Fachperson, die sich mit psychischen Schwierigkeiten auskennt. Eine Blinddarmentzündung würden Sie als Mutter oder Vater ja auch nicht selber behandeln wollen. Eine Liste mit Telefonnummern für ein unverbindliches Gespräch und mit Adressen von Beratungsstellen finden Sie hier: Hilfsangebote und Beratungsstellen (PDF).

  • Jedes Kind ist einzigartig und erlebt Dinge auf seine eigene Art und Weise. Auch wenn Ihr Kind eine Diagnose hat, über die bereits einiges bekannt ist; zeigen Sie Interesse für das Erleben des Kindes: „Was macht dir Mühe im Zusammenhang mit der Erkrankung?“ „Wovor hast du Angst, was ist unangenehm oder schwierig?“ „Was hilft dir, mit der Erkrankung gut umzugehen?“.

  • Vergessen Sie nicht, dass Ihre Rolle nicht die einer Therapeutin oder eines Therapeuten ist,  die/ der die Erkrankung behandeln muss, sondern dass Sie als Mutter/Vater das Kind liebevoll begleiten und unterstützen, damit es mit professioneller Hilfe gesund werden kann oder lernen kann, mit seinen Schwierigkeiten im Alltag umzugehen.

  • Manchmal eignen sich Eltern „Fachwissen“ aus dem Internet an. Nicht alles, was im Internet als „Fachwissen“ verfügbar ist, ist aber korrekt. Und es ist auch nicht immer einfach, korrektes Fachwissen richtig einzuordnen. Es besteht die Gefahr falsche Diagnosen zu stellen und durch das Einbringen von solchem „Fachwissen“ im Gespräch mit dem Kind eher Distanz zu schaffen anstatt Nähe herzustellen. 

  • Seriöse Ratgeberliteratur für Eltern und Angehörige können im Umgang mit psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen helfen. Manchmal tragen auch Filme über junge Menschen, die ähnliche Probleme haben zu mehr Verständnis bei. Eine Liste mit möglicher Literatur und Filmen findet sich hier: Literatur, Medien und Links für Eltern und Angehörige (PDF).

 


Weitere wichtige Punkte zum Schluss  

  • Verlieren Sie die Geschwister des erkrankten Kindes nicht aus den Augen. Was sind ihre Bedürfnisse? Wichtig auch mit ihnen das Gespräch zu suchen und ihnen zu helfen, zu verstehen, was mit dem erkrankten Geschwister los ist.

  • Vernachlässigen Sie Ihre Paarbeziehung nicht, bleiben Sie auch hier im Dialog. Wenn sich im Gespräch alles nur noch um das Kind dreht, kann dies auch für das Kind selber zur Bürde werden.

  • Schauen Sie gut zu sich selber. Mit wem können Sie über Ihre Sorgen sprechen? Informieren Sie sich über mögliche Selbsthilfegruppen oder nehmen Sie fachliche Hilfe für sich selber in Anspruch. Unterstützung in Anspruch zu nehmen ist Zeichen von Stärke, davon profitiert die ganze Familie! Adressen von Beratungsstellen und Unterstützungsangeboten finden sich hier: Hilfsangebote und Beratungsstellen (PDF).

  • Organisieren Sie Entlastung für sich als Eltern, für Geschwister oder für das erkrankte Kind. Entlastungsmöglichkeiten finden sich manchmal im privaten Umfeld durch Grosseltern, Gotten, Göttis, Nachbarn, etc. Weitere Möglichkeiten der Entlastung lassen sich im Gespräch mit einer Fachperson finden.

  • Konzentrieren Sie sich immer auch auf das, was gut läuft im Alltag mit dem Kind. Ermöglichen Sie schöne Augenblicke und Erlebnisse mit dem Kind und für die ganze Familie.

Mit Kindern über die psychische Erkrankung der Mutter oder des Vaters sprechen

Kinder haben feine Sensoren und merken in der Regel rasch, wenn etwas mit Mutter oder Vater nicht stimmt. Sie können sich nicht immer erklären, was los ist, und wissen manchmal nicht, dass es auch anders sein könnte. Nicht selten leiden sie stark unter der Situation, auch wenn das nicht in jedem Fall offensichtlich ist. 

Das beschäftigt Kinder häufig

Wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist, haben Kinder in der Regel viele Fragen, zum Beispiel Folgende: 

  • Warum weint Mama?

  • Warum ist Papa immer zu müde zum Spielen?

  • Warum schläft Mama so viel?

  • Wieso erzählt Papa so komische Sachen?

  • Wie soll ich mich Mama gegenüber verhalten?

  • Darf ich fröhlich sein oder muss ich auch traurig sein?

  • Was mache ich, wenn zu Hause nichts mehr funktioniert?

  • Ist Papa wegen mir krank geworden? Wird es noch schlimmer werden?

  • Was heisst Therapie?

  • Kann meine Mutter oder mein Vater wieder gesund werden?

  • Werden ich oder andere Familienmitglieder auch krank?

  • Darf ich anderen davon erzählen?

 


Sprechen Sie offen über die Situation

Als Einstieg ins Gespräch können Sie zunächst Fragen stellen und herausfinden, was das Kind bereits weiss und welche Fragen es beschäftigen. Es ist wichtig, dass die Fragen eines Kindes ernst genommen und beantwortet werden. Wenn Sie sich als erkrankte Mutter/erkrankter Vater dazu selbst nicht in der Lage fühlen, können Sie den anderen Elternteil, eine weitere Bezugsperson oder eine Fachperson darum bitten, dies zu tun. Adressen möglicher Fachpersonen finden Sie hier: Hilfsangebote und Beratungsstellen (PDF).

Wenn ein Kind nicht erfährt, was los ist, gibt es sich selber die Schuld für die veränderte Stimmung und leidet. Ehrliche Antworten auf die Kinderfragen sind nie falsch, es muss nichts verschwiegen werden. Die Antworten müssen für das Kind aber verständlich und an seinen Entwicklungsstand angepasst sein. Sie dürfen dem Kind auch ehrlich sagen, wenn Sie etwas selber nicht wissen. Und Sie dürfen zu Ihrer eigener Verunsicherung im Umgang mit der Erkrankung stehen und Ihre eigenen (auch negativen!) Gefühle wie Angst oder Wut benennen. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie die Fragen eines Kindes altersangemessen beantworten können, lassen Sie sich beraten. Telefonnummern von Beratungsangeboten finden Sie hier: Hilfsangebote und Beratungsstellen (PDF).


Mögliche Gesprächseinstiege für das Gespräch mit einem Kind, dessen Vater / Mutter psychisch erkrankt ist

  • Mama hat wegen ihrer Krankheit/Depression im Moment  häufig keine Kraft , etwas zu unternehmen. Wie ist das für dich? Ich kann mir vorstelle, dass das nicht immer ganz einfach ist...

  • Deinem Papa geht es im Moment ja nicht besonders gut. Kannst du mit ihm darüber sprechen oder hast du sonst jemanden, mit dem du darüber reden kannst?

  • Für alle Kinder, deren Mama/Papa körperlich oder psychisch erkrankt ist, ist das nicht einfach, sicher auch für dich nicht.  Damit es dir gut geht, ist es wichtig, das du weisst, was dir hilft und dir gut tut und wer dich unterstützt. Hast du das für dich schon etwas herausgefunden? Was ist es? Wie können wir sicherstellen, dass du möglichst oft Dinge erleben kannst, die dir gut tun? Und was tut dir gar nicht gut?



Bilderbücher und Broschüren können helfen

Bilderbücher können bei der Thematisierung mit kleineren Kindern helfen. Für ältere Kinder gibt es Broschüren und Kinder- und Jugendliteratur zum Thema, die ihnen zeigen, dass sie mit der Situation nicht alleine sind und ebenfalls Möglichkeiten für ein Gespräch eröffnen können. Eine Liste mit Kinder- und Jugendbücher findet sich hier: Literatur, Medien und Links für Kinder und Jugendliche (PDF). Auch für Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen gibt es Broschüren, Ratgeber und Filme zum Thema, die helfen, die Situation von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern psychisch erkrankt sind, besser zu verstehen. Mehr Informationen finden Sie unter Literatur, Medien und Links für Eltern & Angehörige (PDF)



Austausch mit Personen ausserhalb der Familie zulassen

Insbesondere ältere Kinder wünschen sich auch Austausch mit andern Kindern in ähnlichen Situationen. In verschiedenen Regionen der Schweiz gibt es Projekte für die Begleitung für Kinder und Jugendliche mit einem psychisch erkrankten Elternteil. Eine Übersicht über die regionalen Vereinigungen von Angehörigen psychisch Kranker (VASK) finden sich unter: www.vask.ch, weitere Austauschmöglichkeiten finden sich hier: Hilfsangebote und Beratungsstellen (PDF).

Weitere Informationen zum Thema »Kinder psychisch erkrankter Eltern» finden Sie auch unter Kinder psychisch erkrankter Menschen.

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